Ergänzend zum Artikel über die vielfältigen Einflusssphären von Prof. Dr. Schmidt sei hier noch einmal näher auf das Konzept des House of Terror (“Terror Háza”) in Budapest eingegangen, da sich hier zum Einen früh zwei Narrative zeigen, die ihr den Vorwurf der Geschichtsklitterung einbrachten und bis heute einbringen – und da es ihr ironischer Weise gleichzeitig beim Aufbau ihres internationalen Rufes stets mit als Hauptreferenz gedient haben dürfte.
Die beiden von ihr häufig vertretenen Narrative, die sich auch in der Gestaltung der Ausstellung des Hauses wiederfinden, sind:
1. Die größten Verbrechen gingen von der kommunistischen Diktatur aus.
2. Ungarn war stets das Opfer.
Zurück in die Zeit der Eröffnung um 2002.
Schmidt war von 1998-2002 zentrale Beraterin für Viktor Orbán während der ersten Regierungsphase von Fidesz. Die Eröffnung des von ihr konzipierten Terror Háza, das sie bis heute leitet, fiel in das Jahr 2002.
“Das Haus hatte einst der ungarischen Gestapo und später der ungarischen Stasi als Hauptquartier gedient.
Mária Schmidt, die Direktorin des Museums, hatte im Auftrag der damaligen rechtskonservativen Fidesz-Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orbán ein Konzept erarbeitet, das sofort abgesegnet wurde.
Während draußen, auf dem Dach des Hauses, ein Pfeilkreuz in gleicher Größe und also gleichwertig neben dem roten Stern prangt, widmet das Terror-Haus-Museum gerade mal einen seiner 25 Räume der Geschichte des Regimes von Miklós Horthy, der mit dem ‘Dritten Reich’ kollaborierte, und der den Nationalsozialisten nahe stehenden, seit 1944 regierenden Bewegung der ‘Pfeilkreuzler’.”
https://www.hagalil.com/archiv/2004/06/budapest.htm
Jene “Pfeilkreuzler” wurden häufig als “Satelliten-Faschisten” in Bezug zu Hitler-Deutschland bezeichnet. Vergleiche hier u.a. ein Beitrag, der auch den “Turul” als völkisch-christlich-nationalistisches Symbol in den Blick nimmt.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/turul-pfeilkreuzler-wie-ungarn-sein-nazi-erbe-aufarbeitet-dlf-kultur-8dedb77f-100.html
Zur Bedeutung des “Turul” im Kontext völkischer Ideologie in Ungarn informiert u.a. die Wissenschaftlerin Magdalena Marsovszky.
Die Aufarbeitung in Ungarn, was die Verbrechen der Pfeilkreuzler betrifft, hinkt bis heute, was auch den Fidesz-Narrativen (“Ungarn stets nur Opfer”) diente, die denen von M. Schmidt sehr ähnlich sind.
https://jungle.world/artikel/2021/12/ein-denkmal-fuer-die-moerder
Lesenswert ist übrigens auch folgender Artikel mit Rückblick in die Zeit von 2008, also zwei Jahre vor Orbáns Zweidrittelmehrheit-Siegeszug – über Träume von Groß-Ungarn, zunehmenden Rechtsextremismus, Antiziganismus und kirchliche Stimmen bei Hetzereien:
Rückkehr der Gespenster?
Die genannten sich also in der Ausstellungskonzeption spiegelnden Narrative finden wir in vielen späteren Äußerungen von Prof. Dr. Maria Schmidt wieder, so z.B. im bereits im Vorartikel verlinkten Gespräch beim Athens Democracy Forum.
Besonders das erste Narrativ kannte man auch z.B. in Bezug auf die Nachkriegs-CIA oder auch die Organisation Gehlen, Vorläufer des BND, die aufgrund des alleinigen Feindbildes des Kommunismus auch Altnazis und deren diesbezügliches Wissen “willkommen hießen”.
Historisch war in solchen und ähnlichen Fällen schon immer das festzustellen, was sich auch hier zeigte:
Wer das Hauptproblem im Kommunismus sah, tendierte nicht selten dazu, das Problem des Rechtsextremismus und Faschismus zu verharmlosen oder mit entsprechenden Akteur*innen zu kooperieren. Oder tendierte gar dazu, als Hauptziel Faschismus zu propagieren und dies mit dem Vehikel Kommunismuskritik nur scheinzulegitimieren und zu kaschieren.
So berechtigt die Kritik an kommunistischen Verbrechen auch sein mochte, sie rechtfertigte noch nie das Ausblenden der Gefahren des Faschismus bzw. des Neofaschismus.
Im Juni 2014 unterschrieb offenbar der damalige Bundespräsident Joachim Gauck einen Kooperationsvertrag mit dem House of Terror bzw. Fr. Prof. Dr. Schmidt und mit der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.
Wie ein Artikel auf Pusztaranger korrekt und traurig feststellte:
Damit wurde einmal mehr die Geschichtsklitterung der Fr. Schmidt und damit letztlich auch des “Systems Orbán” belohnt und legitimiert!
https://pusztaranger.wordpress.com/2014/07/03/offener-antisemitismus-bei-orbans-chefideologin-maria-schmidt/
Es war nicht das einzige Mal innerhalb der letzten 16 Jahre, das eine Doppelzüngigkeit oder zumindest fahrlässige Inkonsequenz so vieler offiziell vollmundiger “Demokratieverteidiger*innen” in Deutschland und in Europa erkennen ließ.
Genau solches gab Orbán sicher stets die gefährliche Position, offizielle Beanstandungen seiner Politik gelassen weglächeln zu können. Man signalisierte ihm so ja ständig:
“Unter dem Radar kooperiert man ja doch immer neu kritiklos mit dir und deinesgleichen.”
Und der gerade jetzt so häufig als beispielhaft für ein “Standing auf EU-Ebene” herausgewühlte “Dictator”-Klaps von Juncker – war genau das, wonach es aussah. Vollkommen schmerzlos für Orbán – und eher fast einer Kumpelgeste gleichend.