Wer redigiert, regiert! Und das meist anonym.

Wer Zeitungsartikel redigiert, hat viel Macht. Und Verantwortung.
Denn er setzt vor allem mit der Überschrift – und auch mit Zwischenüberschriften -
durchaus ein “Framing” für den Artikelinhalt.
Was ja auch so sein soll – wenn der Titel schlicht benennt, was Sache ist.
Es gibt aber bei Nutzung bestimmter Begriffe, und besonders bei solchen,
die im Artikel selbst gar nicht vorkommen, auch zweifelhafte “Spins”,
die so ein Titel erzeugen kann.
Angesichts eines Beispiels sei das hier deutlich gemacht.
In der Tageszeitung “Die Rheinpfalz” erschien am 07.10. ein Artikel mit hier
abgebildeter Überschrift.
Kurz zuvor hatte der Chefredakteur in einem Artikel noch die allgemeine
Tendenz zu Hass und Hetze beklagt – zu Recht.
Und dann gerät solch ein Begriff wie selbstverständlich in die Überschrift, der sich  im Artikel selbst allerdings nirgends findet.
Dort ist an der betreffenden Stelle von “zwei vollverschleierten Musliminnen” die Rede.
Man kann von der geschilderten Situation halten, was man will. (Und nein, ich persönlich bin sicher, dass sich ein Sportlehrer nicht dafür entschuldigen muss, wenn er den
Musliminnen einen Handschlag angeboten hat. Sie müssen ihn nicht annehmen.
Aber entschuldigen muss er sich auch nicht, denn das ist hier nun einmal die übliche
Begrüßungsform.)
So oder so gilt aber: Nein, es ist weder legitim noch seriös, den Begriff “Kopftuch-Mütter” in so einer Überschrift zu verwenden und abzudrucken. Und damit subtil
eine Verächtlichkeit und ein Hetzpotential miteinzuspielen.
Genauso wenig wie “Kopftuchmädchen” legitim ist.
Bleibt die Hoffnung, dass die Redaktion solchen Redigier-Fehlgriffen auf den Grund geht
und kritische Rückmeldungen dazu nicht einfach nur abwiegelt.
Für Leser*innen  bleiben Redigierer und Überschriftenersteller wie auch Setzer
im Gegensatz zu den  namentlich benannten Verfasser*innen von Artikeln, den Journalist*innen, meist anonym. Eigentlich ist das nicht richtig.
Denn ihre Rolle ist alles andere als irrelevant. Irgendwo sollte man ihre Namen
in den jeweiligen Ausgaben daher durchaus nennen und transparent platzieren.

(falls das tatsächlich bereits geschehen sollte und ich den Ort nur nicht fand -
oder wenn andere Medien das anders handhaben, freue ich mich ja über eine Rückmeldung)

MG

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